AllesNEU

img_2890Bruder Klaus für Skeptiker

Jedes Jahr kommen rund 100.000 Menschen in den schweizerischen Weiler Flüeli, immer schon zur politischen Gemeinde Sachseln im Kanton Obwalden gehörig. Der Ort steht im geografischen Mittelpunkt der Schweiz. Dort – auf dem Sachsler Berg, wo heute die Kirche steht, in der Niklaus von der Flüe auch begraben ist – stand das Haus des freien Bauern Heini von Flüe, wo am 21. März 1417 Niklaus – später von allen Klaus genannt – sein Sohn zur Welt gekommen ist.
Niemandes Untertan zu sein, ist die Tradition in der Familie. Ins gesellschfaftlich-politisch-kirchliche „Getümmel“ des 15. Jahrhunderts, einer „stürmische(n) und gewaltsame(n) Zeit“, hineingeboren, schreibt sich Klaus von der Flüe mit einem Leben aus Widerspruch und Einheitsmühen – sei es als Ehemann, Vater von 10 Kindern, Kriegsmann und Politiker, als Eremit, Mystiker und auch Friedensstifter, „Hungerkünstler“, Visionär und kluger Lobbyist für die Sache der Kantone (Stanser Vorkommnis, 22.12.1481) in die Geschichte unserer Schweizer Nachbarn sein.
Am Ort wo er geboren wurde, stirbt er auch, auf den Tag genau siebzig Jahre später – in der Ranftschlucht, wo er durch 20 Jahre lebte: „Er erträgt den Schmerz bis zum achten Tag nicht weniger geduldig als armselig, verlangt brennend nach der Wegzehrung des heilsamen Leibes und Blutes Christi und haucht, nach seiner Gewohnheit auf dem bloßen Boden ausgestreckt, am 21. März des Jahres 1487, siebzig Jahre alt, unter großen Schmerzen seine Seele aus”, heißt es in Heinrich Heinrich Wölflins, Biografie.
Kathrin Benz, hat ihrem Buch  „Der Aussteiger“, den Untertitel: „BRUDER KLAUS für Skeptiker“ mitgegeben. Die Autorin ist eine welt- und spracherfahrene Schreiberin und eine Klasse-Erzählerin dazu.  Die 74 Abschnitte des 240-Seiten-Buches ergeben einen literarischen Spaziergang durch die historische, religiöse, private und politische Landschaft dieses urtümlichen Menschen, dessen spirituelle Wirkung weit über die engen Grenzen der Berge Obwaldens und auch jene der Schweiz, ja sogar Europas hinausreicht.
Der – seit 1947 erst – heilig gesprochene und seit damals Nationalheilige der Schweiz gehört zum Mythos des Landes wie der Rütli-Schwur. Die von der Koordinatorengruppe des Jubiläumsprojektes an den Tag gelegte Offenheit, passt manchen der konservativen Schweiz gar nicht ins Bild der Legende. So erweist sich aufs Neue, die Unumgänglichkeit einer notwendigen Auseinandersetzung und die Skeptiker – gleich welcher Richtung – haben nicht den unwichtigsten Platz darin.  (Walter L. Buder)
Zum Buch: Kathrin Benz, Bruder Klaus für Skeptiker. Freiburg/CH (Paulus-Verlag) 2016. 244 Seiten. Gebunden. ISBN: 978-3-7228-0894-9. € 32,00
Das Buch ist in der ARCHE vorrätig. Bestellen Sie per T +43 5574 48892 oder Email
Advertisements