Renate & Teresa

FullSizeRender 5Die ARCHE – christliche Buchhandlung in der Bregenzer Rathausstrasse 25 – hat sich zu einem kleinen aber feinen Kulturplatz entwickelt. Die Leseperformance mit Texten der berühmten Mystikerin Teresa von Avila (1515-1882) gestaltet von Renate Bauer (Schauspielerin, Regisseurin) und ihrer Kollegin Bettina von Siegenthal war – nicht zuletzt auch wegen der einfühlsamen musikalischen Begleitung des Klangwerkers Günther Bachstein – ein schönes, spirituelles und literarisches Erlebnis.

Die Buchhandlung in der Rathausstrasse 25 war bis auf den letzten Platz gefüllt. An die 80 Zuhörerinnen (sie waren eindeutig in er Überzahl!) und Zuhörer folgten etwas mehr als eine Stunde dem von Renate Bauer gelegten „Arienfaden“ durch Leben und Werk der großen Heiligen. Auch nach 500 Jahren ist die unerhörte Vitalität dieser Ordensfrau berührend und bewegend. Ihre Tagebücher, Notizen und Unterweisungen erzählen in einer phänomenalen Offenheit und Direktor von einer ‚brennenden’ Liebe zu Gott und Menschen. Wie das uneingeschränkte Vertrauen auf Gottes Liebe eine veritable Revolution entfacht, wie aus Zuneigung und Hingabe an die ‚ruah‘ (den weiblichen Gottesgeist, der weht wo er will) der Widerstand erwächst, das kann man bei Teresa lesen und lernen. Sie geht dabei witzig und gelassen, strategisch klug und theologisch fundiert ans „Eingemachte“ der damaligen Ordens- und Kirchenstruktur.

Teresa gehört – das macht Renate Bauers szenischer Vortrag sehr deutlich – zu den ‚Allergrößten‘ unter jenen Frauen und Männern, die man ‚Mystiker nennt. Das sind Leute, die eine (innere) Erfahrung Gottes haben und (oft) ihr ganzes Leben danach ausrichten. Sie ist eine Geistesriesin des 16. Jahrhunderts und von einer Aktualität, die Staunen macht. Ausgestattet mit einer unerhörten Tatkraft, exzellentem Verhandlungsgeschick und einem Talent zur Organisation, das den besten unter den heutigen Top-Managerinnen und -managern ohne Weiteres das Wasser reicht – von ihrer heutzutage eher raren ethischen Brillanz (Grüße an die Vorstände von VW, Nestlé, Monsanto u.a.m.) einmal abgesehen.

Dank gebührt an dieser Stelle nicht nur dem Team von Renate Bauer und ihrer Kunst sondern auch dem ARCHE-Organisationsteam (gemeinsam mit dem Ökumenischen Bildungswerk Bregenz) um Irmgard Heil, dessen Engagement einem dankbaren Publikum einmal mehr einen sehr schönen und bereichernden Abend beschert hat. (WLB)

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