Christliche Märtyrer

Der Innsbrucker Dogmatiker Prof. Siebenrock zeigt an Merkmalen, was das authentische christliche Martyrium ausmacht.  Als Kriterien für den „wahren christlichen Märtyrer” nennt Siebenrock unter anderem:Wenn Selbstmordattentäter, die andere mit in den Tod reißen, von ihren fanatischen Anhängern als Märtyrer gepriesen werden, ist dies aus christlicher Sicht eine extreme Pervertierung des Märtyrer-Begriffs.

Aber Vorsicht: Vereinnahmungen gab es auch im christlichen Bereich, und Heldentum im Krieg in gewissem Sinn als Martyrium für die „heilige Sache” zu interpretieren, gehört durchaus zur abendländischen Geschichte.
Sterben für andere, das Leben hinzugeben für Ziele und Werte, die das Leben kosten dürfen, vielleicht sogar müssen: Martyrium ist ein universales Phänomen – faszinierend und erschreckend –, weil Gewalt ein in allen Kulturen und Zeiten feststellbares Phänomen ist, stellt Prof. Roman Siebenrock fest.
Der Dogmatiker an der Universität Innsbruck nimmt in seinem Buch „Christliches Martyrium. Worum es geht” auch ideologische und politische Vereinnahmungen und Entstellungen unter die Lupe, um das authentische christliche Martyrium an konkreten Kriterien festzumachen.

•  Gewaltsamer Tod als Glaubensakt, in dem Christus selbst – die gewaltlose, erlösende Liebe am Kreuz – repräsentiert wird.
•  Dieser Glaubensakt ist frei, ein Charisma, das nicht erzwungen, provoziert oder anderen auferlegt werden darf.
•  Im Unterschied zum Helden, der „cool” und „angstfrei” ist, muss der Märtyrer nicht unbedingt angstfrei sein. Er kann sich mit der Todesangst Jesu im Garten Getsemani vereinen.
•  Dieser Glaubensakt wird oft als sittliche Konsequenz des Glaubens öffentlich – als Eintreten für Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden und Würde des Menschen.
•  Im Bekenntnis zum Glauben und zur Kirche entzieht der Märtyrer jeglicher weltlichen Macht ihren Totalitätsanspruch auf den Menschen.
Wichtig ist Siebenrock, dass Märtyrer im Gedächtnis der Kirche nicht für sich allein stehen, sondern durch sie auch das Gedächtnis für alle Opfer in der Geschichte öffentlich bewahrt wird.
Gerade in Märtyrern des 20. Jh. sieht der Dogmatiker „eine ökumenische Option für die Einheit der Kirche” und hofft „dass es bald zu einem gemeinsamen Erinnern an die Märtyrer, nicht nur des 20. Jahrhunderts, kommen wird”.  (Sonntagsblatt)

Roman Siebenrock, Christliches Martyrium.
Kevelaer 2009, Topos-Plus-Taschenbuch 662, 103 S., € 8,20

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